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„Sehe keine Alternative zur Milchproduktion“

MILCHWIRTSCHAFT - Markus Pfeiffer-Vogl ist Milchbauer aus Leidenschaft im Waldviertel – und kann es auch in Zukunft bleiben. Seine Familie bewirtschaftet einen – für die Region typischen – Bio-Milchviehbetrieb in Haselbach, Gemeinde Groß-Gerungs. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, war bis vor wenigen Tagen unsicher.


(C) BZ/Riegler

Nun blicken Vater und Sohn wieder optimistisch in die Zukunft: Die Familie hat einen Milchliefervertrag mit der MGN (Milchgenossenschaft Niederösterreich) abgeschlossen und damit die Sicherheit bekommen, dass ihre Milch auch weiterhin vom Hof abgeholt und in Zukunft von der NÖM in Baden weiterverarbeitet wird.

Die vergangenen Wochen waren von großer Unsicherheit geprägt. Wie geht es Ihnen jetzt? 

Markus Pfeiffer-Vogl: Von mir ist eine riesige Anspannung abgefallen. Ich bin einfach nur erleichtert und dankbar, dass wir den Liefervertrag abschließen konnten. Wir bewirtschaften rund 85 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche auf etwa 800 Meter Seehöhe. Das bedeutet, dass der Ackerbau nur mehr begrenzt möglich ist. Wir haben in erster Linie Wechselwiesen und damit muss entsprechende Wertschöpfung mit Tierhaltung – bei uns sind es momentan 55 Milchkühe mit Nachzucht – erwirtschaftet werden.

Ich bin im Nebenerwerb als Kundenbetreuer beim Maschinenring tätig und habe dort meine Stunden reduziert, um mich mehr im Betrieb zu engagieren. Ich habe eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht, weil ich meine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft gesehen habe und immer noch sehe. Nun kann ich in diese Richtung weiterplanen, das war in der Vergangenheit nicht so. Wenn du zu Weihnachten nicht weißt, wie du im nächsten Jahr auf deinem Grund und Boden produzieren wirst, ist das eine Situation, die die ganze Familie belastet. Und diese Planungssicherheit, die wir jetzt gewonnen haben, bedeutet für mich Lebensqualität.

Was wären ihre Alternativen gewesen, wenn kein Liefervertrag zustande gekommen wäre? 

Markus Pfeiffer-Vogl: Wir bewirtschaften unseren Betrieb biologisch und bauen Dinkel an, den wir auch – beispielsweise zu Nudeln – weiterverarbeiten. Und Speisekartoffel werden ebenfalls kultiviert sowie direktvermarktet. Aber in diesem Bereich ist, nicht zuletzt wegen der Entfernungen zu Ballungszentren, nur begrenztes Wachstum möglich.

Wir haben schon einige Alternativszenarien durchgeplant, wie beispielsweise eine Umstellung auf Mutterkuhhaltung oder die Stiermast. Aber da sind wir wieder bei der Wertschöpfung, die in der Milchproduktion eindeutig höher ist. Da wir bis vor Kurzem nicht sicher waren, ob wir weiterhin Milchkühe halten können, haben wir im Frühjahr zwei Hektar Industriekartoffeln für die Agrana angebaut. Ich bin wirklich froh, dass diese Ungewissheit zu Ende ist, weil in meiner Lebensplanung die Milchproduktion immer einen großen Stellenwert hatte und auch weiterhin haben soll.

Wohin haben Sie bisher die Milch geliefert und was waren Ihre Beweggründe, der Genossenschaft den Rücken zu kehren? 

Herbert Pfeiffer-Vogl: Wir haben unsere Milch über viele Jahre als Mitglied in der Genossenschaft an die Berglandmilch geliefert. Bereits 1998 wurden wir als Bio-Betrieb anerkannt. Mit einem Abnehmerwechsel konnten wir für unsere Biomilch einen höheren Milchpreis erzielen. Das Angebot war zu verlockend. Da war keinerlei böse Absicht dahinter, der Genossenschaft zu schaden oder irgendjemand eines auszuwischen. Wir wollten ganz einfach den betriebswirtschaftlichen Gewinn für unseren Betrieb optimieren. Im Nachhinein betrachtet war es die falsche Entscheidung, das ist uns heute klar.

War der Preisunterschied so deutlich? 

Herbert Pfeiffer-Vogl: Im ersten Jahr wurde unsere Milch an die Privatmolkerei Gropper in Bayern geliefert und der Preis war erheblich über dem unseres bisherigen Abnehmers. Aber schon bald hat sich herausgestellt, dass von uns selber und von allen, die uns zum Umstieg geraten haben, die Transportkosten unterschätzt wurden. Wir haben uns dazu von Empfehlungen, keine langfristigen Bindungen an einen Abnehmer einzugehen, in die Irre leiten lassen. Damit hätten wir zwar rasch von einem besseren Preis eines anderen Abnehmers profitieren können, hatten dadurch aber im umgekehrten Fall auch keinerlei Sicherheiten. Bessere Preise für die Milch am Spotmarkt sind nur zu erzielen, wenn das Produkt knapp ist. Und das wird bei der Milch – wenn man sich alleine die Produktionsmengen in Europa anschaut – wohl nicht so rasch mehr der Fall sein.

Wie sieht Ihr neuer Liefervertrag aus und warum glauben Sie, war es so schwierig, diesen zu bekommen? 

Markus Pfeiffer-Vogl: Der Vertrag ist fürs Erste einmal befristet auf fünf Jahre und enthält eine „Schüttgebühr“ von drei Cent pro Liter Milch. Damit können wir leben.

Die ganze Entwicklung im Milchbereich wurde von Einzelnen leider  zu persönlichen Rachefeldzügen genutzt und so ist in der Vergangenheit im zwischenmenschlichen Umgang viel vorgefallen, wie es unter erwachsenen Menschen nicht passieren soll und darf. Wir haben dafür die Konsequenzen zu spüren bekommen, auch wenn wir nie zu den „Zündlern“ gehört haben.

Ich kann daher nur noch einmal betonten, wie dankbar wir der Geschäftsführung und den Funktionärinnen sowie Funktionären der MGN sind, dass sie menschlich gehandelt haben und uns damit die Möglichkeit geboten wurde, unseren Betrieb mit der Milchproduktion weiterzuführen.

Interview geführt von Eva Riegler.


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